EU-Förderungen: ICT Konferenz in Wien (Dezember 2018)

Der beste Weg durchs Förderlabyrinth – auch für Sie!

(Margaretha Mazura, August 2018)

 

 

Antonino C. ist Sizilianer, innovativer Jungunternehmer und im Bereich 3D Fotographie tätig. Durch seinen regionalen “National Contact Point-NCP” hat er erfahren, dass ein EU Projektkonsortium noch Partner für Pilotapplikationen sucht. Antonino ist eine one-man-show, eines der vielen Mikrounternehmen im Bereich der digitalen Wirtschaft. Er kontaktierte den Koordinator des potentiellen Projektes und da sein Profil ins Konzept passte, wurde er Partner, wenn auch nur ein sehr kleiner. Der Projektantrag war erfolgreich, und Antonino konnte 2 Jahre nicht nur Erfahrung in einem internationalen F&E [1] Projekt sammeln, sondern auch zu innovativen Lösungen im bereich 3D beitragen – 100% von Horizon 2020 finanziert. Er lernte andere Forscher und Unternehmen kennen, und auch neue Methoden der Finanzierung, wie Crowd-Funding. Nachdem die 2-jährigen Projektphase erfolgreich abgeschlossen war, versuchte er sich darin und es gelang ihm, innerhalb von 4 Monaten genug Crowd-Finanzierung zur Entwicklung einer 3D App zu lukrieren und ist mittlerweile “gut im Geschäft”.

Antonino ist kein Einzelfall. Seit dem 5. Rahmenprogramm in den 1990er Jahren sind italienische Partner in beinahe jedem Projekt vertreten. Sie, die auf wenig nationale Förderungen hoffen durften, haben sich mit den europäischen Möglichkeiten auseinandergesetzt und sind so wahre Champions für Fördermittel geworden. Und das ist nichts Schlechtes! Denn EU F&E&I Programme haben starke Konkurrenz und nur die besten werden (von unabhängigen, externen Experten) ausgewählt. Allein im immer noch laufenden Horizon 2020 Programm, gab es über 6.000 erfolgreiche italienische Antragsteller, davon wieder waren 1.647 KMUs. Österreich hat zwar eine relativ hohe Erfolgsquote (16.9%, EU Durchschnitt 13.6%), aber unter en erfolgreichen Antragstellern waren nur 464 KMUs.

Warum sind österreichische Unternehmen zurückhaltend, was EU Fördermittel betrifft? Das Hauptargument ist: der bürokratische Aufwand des Antragstellens. Ob privates VC (Venture Capital) oder öffentliche Förderung, ganz ohne persönliches Investment geht es nicht: Aber dafür kann man auch mit einer Förderquote von 70 bis 100% nicht rückzahlbarer Finanzierung rechnen, inklusive 25% Pauschal-Overheads. Und: Alle EU F&E Projektergebnisse bleiben das geistige Eigentum des Konsortiums!

Das zweite Argument „Ich habe nicht genug Personal“ greift nicht: zusätzliche Personalkosten sind auch geförderte Projektkosten. Bleibt das dritte Argument: „Das bekommen eh immer nur dieselben“. Das stimmt wohl für grosse Forschungsinstitute, doch es wird immer mehr Wert auf eine Breitenstreuung und neue „actors“ gelegt. Aber es gibt Caveats:

  1. Ist man ein „Neuling“, sollte man als Partner in ein Konsortium eintreten und nicht alles selbst organisieren wollen, schon gar nicht die Koordination.
  2. Man sollte die zuständigen EU Beamten kontaktieren oder sog. „Info days“ besuchen – um zu erfahren, was die EU wirklich fördern möchte
  3. Will man sein Wissen nicht mit andern teilen, so bleiben immer noch nationale/regionale Programme. In Österreich sind dafür die FFG – Forschungsförderungsgesellschaft www.ffg.at zuständig, in Wien z.B. die Wirtschaftsagentur Wien: https://wirtschaftsagentur.at/. Da können Unternehmen auch allein Projektanträge stellen, die Förderquote ist jedoch niedriger (meist bis max. 50%). Für Projekte mit einem zweiten Partner im Ausland könnte auch das EUREKA Programm interessant sein (http://www.eurekanetwork.org/).

Veranstaltungen wie die ICT 2018 Konferenz „Imagine Digital – Connect Europe“ (https://ec.europa.eu/digital-single-market/en/events/ict-2018-imagine-digital-connect-europe), die alle 2 Jahre von der Europäischen Kommission organisiert wird und dieses Jahr vom 4. bis 6. Dezember in Wien stattfindet, geben Information aus erster Hand, erlauben effizientes Networking und sind ein ideales Terrain für Projektpartnersuche.


 

Anmerkung:

  1. [1] F&E steht für Forschung und Entwicklung, manchmal kommt auch noch das “I” für Innovation dazu.

 


Dr. Margaretha Mazura arbeitet in Wien und Brüssel als Konsulentin im Bereich digitale Wirtschaft und europäische Förderprogramme. Seit 2001 ist sie auch externe Expertin der europäischen Kommission zur Beurteilung von Förderanträgen.

 

 

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